Sonntag, 15. Oktober 2017

Erste Eindrücke aus Mexiko: Meine Familie, die Jungs und die Erdbeben.


Die Idee, das Projekt und der Weg dahin

Ahhhh, ich bin doch noch gar nicht soweit, aber zum Glück geht es endlich los! Was noch während meiner Zeit in Südkorea im Frühjahr 2016 aus der Idee eines Kurzzeit-Volontariats in Asien entsprang, hat sich nach einem voll gepackten Jahr voller Anstrengungen, Planung und Vorbereitung zu einem ausgewachsenen Freiwilligendienst in Mexiko gemausert: Direkt nach dem Masterstudium ein Jahr in Puebla in einem Straßenkinderprojekt arbeiten, tausende neue Eindrücke sammeln, die spanische Sprache sowie die mexikanische Kultur kennen lernen und natürlich erst einmal was anderes machen, bevor das Berufsleben losgeht. Besser geht’s nicht! Wäre man denn dann mal auch wirklich fertig mit dem Studium ... grummel. Aber fangen wir vielleicht nochmal kurz vorne an:

Die Idee, nach Mexiko zu gehen, kam nicht von ungefähr. Zahlreiche neue mexikanische Freundschaften in Südkorea entfachten mein Interesse für das lateinamerikanische Land am anderen Ende der Welt. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass verschiedene Organisationen mit der Unterstützung des weltwärts-Programms Freiwillige nach Mexiko entsenden. Das passende Projekt und das Badische Rote Kreuz als Endsenderorganisation waren schnell gefunden. Nach meiner Bewerbung Anfang September 2016 wurde ich Ende Oktober zum Bewerbertag nach Freiburg eingeladen, um zwei Wochen später die Zusage für mein favorisiertes Projekt JUCONI zu erhalten.¡Arriba! 😊

Ab diesem Zeitpunkt fing das Organisieren und insbesondere Spendensammeln an. Unzählige Briefe an Vereine, Organisationen und Unternehmen als potenzielle Unterstützer blieben leider erfolglos und oft sogar unbeantwortet. Frustrierend! Umso beeindruckter bin ich über die Summe der Spenden, die ich in meinem Freundeskreis, in der Nachbarschaft und in meiner Familie sammeln konnte. Der aktuelle Spendenstand von insgesamt 825,15 € bedeutet nicht nur, dass ihr mich bereits mit einem Drittel der notwendigen Summe zur Finanzierung des Jahres unterstützt, sondern er ist auch Ausdruck eines unheimlichen Vertrauens in mich und meine Arbeit hier. Nochmals vielen, vielen Dank an all die lieben Spender_innen! Über weitere Unterstützung zur notwendigen Sicherung der Finanzierung meines Engagements freue ich mich natürlich irrsinnig. 😊

Meine Ankunft in Mexiko

Am 26. August ging es dann endlich los von Deutschland nach Mexiko. Nachdem ich noch kurzzeitig um mein Visum bangen durfte, hielt ich es dann doch noch gerade so rechtzeitig zwei Tage vor Abflug in den Händen. Die zwei Wochen Vorbereitungsseminar, die durch das Rote Kreuz auf all die unterschiedlichen Facetten meines Auslandsaufenthaltes (Kultur, Gefahren, persönliche Krisen etc.) vorbereiten sollten, waren also nicht umsonst. Nach einem entspannten 13-Stunden-Flug landete ich zusammen mit den anderen zwölf Freiwilligen wohlauf in Mexiko Stadt, von wo es mit dem super komfortablen Überlandbus (die erste Klasse der Deutschen Bahn kann einpacken) nach Puebla ging.

Ich vor dem Teatro Principal und einem von mehreren über die Stadt verteilten Puebla-Aufstellern (klick zum vergrößern).

Wie alle anderen Freiwilligen lebe ich das kommende Jahr über bei einer Gastfamilie: Lydia und Rogelio hatten schon vor meiner Anreise per Mail Kontakt zu mir aufgenommen und Fotos mit mir ausgetauscht. Ein junges verheiratetes Paar mit zwei Hunden, dass in der Nähe meiner Arbeitsstelle lebt. Was mich so richtig erwartet, konnte ich zu dem Zeitpunkt aber noch nicht einschätzen. Nach nur einem Semester Spanischunterricht an der Uni gab es auch einfach noch nicht so richtig viele Themen, die ich vorher anschneiden konnte. 😃 Am Busbahnhof in Puebla angekommen erspähte ich Rogelio dann sofort. Ein wenig wortkarg begrüßten wir uns. Etwas schüchtern, aber auch einfach super erschöpft und müde nach insgesamt 30 Stunden Reise, fuhren wir dann Richtung neuer Heimat: „Quieres Tacos?“ „Si!“. Soviel verstand ich dann doch noch und so durfte ich das erste mal in meinem Leben einen richtigen mexikanischen Taco verspeisen. ¡Que Chido! – wie geil! ;-)

Mi Familia Mexicana: Lydia und Rogelio 😍
Die wortkargen ersten Minuten wurden dann aber rasch durch ausgiebige Gespräche mit Händen, Füßen, aber vor allem meinem sich stetig verbessernden Spanisch ersetzt. Wer würde auch anderes von mir Quasselstrippe erwarten? 😀 Nach 3 Tagen hatte ich das Gefühl, ich habe soviel gelernt wie während des gesamten Sprachkurses. Besonders mit Rogelio – der studierter Linguist ist – hatte ich von Anfang an keine Kommunikationsprobleme. Zum einen hat er schnell herausgefunden, wie er mit mir reden kann oder wie er Dinge erklären kann, damit ich sie verstehe. Vor allem aber weil ich mit meinen Gasteltern bzw. wohl eher Gastfreunden einen 6er im Lotto gezogen habe: Wir teilen absolut den gleichen Humor, lachen super viel zusammen und ich werde komplett ihn ihrem Alltag integriert. Besonders in den ersten Wochen haben wir eigentlich jeden Tag zusammen etwas unternommen. Ich habe Familie und Freunde der beiden kennengelernt und fühle mich pudelwohl. Nach nur kurzer Zeit habe ich mich schon wie ein vollwertiges Mitglied der Familie gefühlt. Auch meine Position als Gastsohn, der eigentlich Kumpel oder Mitbewohner ist, ist irgendwie witzig und macht unheimlich Spaß. Zum einen albern wir herum, auf der anderen Seite machen sich die beiden schon Sorgen um mich und haben langsam versucht, mich an Mexiko heranzuführen.


Rogelio, der Kasper, vor unserem Haus.
Mein Zimmer mit einer etwas gewöhnungsbedürftigen Deko.

Die Sicherheitslage im Land

In einem Land mit ziemlich vielen Sicherheitsproblemen und Gebieten, die man lieber nicht betritt, mussten sie den kleinen naiven Stefan das ein oder andere mal etwas bremsen und über die Gefahren unterrichten, in die ich mich begebe. Vieles habe ich schon im Vorfeld in den Vorbereitungsseminaren erfahren. Ich laufe nur mit kleinen Geldsummen und Kopien meiner Dokumente herum. Nachts bewege ich mich quasi kaum noch auf den Straßen, höchstens zusammen mit einer Gruppe Mexikaner_innen. Generell habe ich meine Aufmerksamkeit für alles, was in der Öffentlichkeit um mich herum passiert, um gefühlt 1000% gesteigert. Nach Einbruch der Dunkelheit sieht man kaum noch Menschen in den Bussen. Taxis von der Straße nehme ich auch nicht. Die sind zu unsicher und könnten sich zu meinem Nachteil als Betrug herausstellen. Nicht im Sinne von erhöhten Fahrpreisen, die meine Geldbörse etwas mehr als gewöhnlich erleichtern, eher weil man z.B. Opfer einer sogenannten Express-Entführung werden kann. So hört man hier allerlei Geschichten, dass man z.B. in solch einem Fall erpresst und von Bankomat zu Bankomat gefahren wird. Die Kreditkarte wird dann solange erleichtert, bis sie leer ist. Danach wird man dann wieder freigelassen. Das ist natürlich ein Extrembeispiel, dennoch hört man fast von jedem, den man hier kennen lernt, solche Geschichten. Man passt sich also den Gegebenheiten an und lernt quasi neu, wie man sich in außerhalb der eigenen Wohnung zu bewegen hat. 

Natürlich muss ich mich nicht ab halb sieben Abends in mein Bett verkrümeln und schmollen. 😉 Man sollte die Hinweise ernst nehmen, aber ich gehe hier nicht mit Panik oder einem beklemmenden Gefühl aus dem mit Gittern vor den Fenstern „verzierten“ Haus. Wer hier mal im Dunkeln weg möchte oder nachhause kommt, nimmt ein „Uber“. Uber ist quasi eine Art Taxi, dass über das Handy bestellt werden kann. Die Fahrer sind registriert, haben ein sauberes Führungszeugnis und fahren ihre eigenen, maximal 5 Jahre alten Autos durch die Stadt. Die gesamte Strecke wird über GPS aufgezeichnet. Zudem ist das ganze deutlich günstiger als ein Taxi. 😉

Zurück nach Hause gings mit dem Uber, um dort weiter zu feiern 😉

Meine Arbeit und der Alltag bei JUCONI

Meine Strecke zur Arbeit kann ich zum Glück zu Fuß zurücklegen. In nur 5 Minuten erreiche ich das Casa JUCONI, das Kinderheim in dem ich arbeite. Dort bin ich seit  gut 7 Wochen einer von unzähligen Betreuern, die sich 24 Stunden um 19 Jungs im Alter zwischen 8 und 17 Jahren kümmern. Die Kinder stammen aus Familien, in denen das vorherrschende Mittel zur Erziehung verbale und physische Gewalt war. Durch diese Erfahrungen sind sie natürlich geprägt und neigen selbst dazu, viele Situationen mit Beleidigungen, körperlicher Gewalt und Aggressionen zu „lösen“. Zudem haben sie zum Großteil einen großen Bildungsrückstand, Konzentrationsprobleme und sind teilweise nicht mal in der Lage zur „Sonderschule“ zu gehen.

Insgesamt bin ich aber überrascht, wie divers die Verhaltensweisen der Jungs teilweise sind. Man merkt ganz deutlich, wie die Kids im Kinderheim durch Routinen und verschiedene Methoden diszipliniert werden. Sie sind teilweise super höflich, sind füreinander da und sind super rational, wenn es zu einer explosiven Situation kommt, bei der sie nicht unmittelbar involviert sind. Auf der anderen Seite provozieren sie sich oft gegenseitig so lange, bis die Situation ausartet und in einer Prügelei endet. Um das Ganze zu verbildlichen, will ich mal das Haus und einen typischen Tagesablauf beschreiben:

Ab 9 Uhr morgens betrete ich das Haus. Eine große Halle ist das Zentrum des Casa und ist der Zugang zu allen Räumen. Hier werde ich meistens schon von ein paar Jungs per Handschlag oder per Umarmung empfangen. Im Erdgeschoss befindet sich ein Klassenraum, eine Küche mit Essensraum, ein Saal mit Sofas, Büchern und einem Fernseher, ein Raum zum „Relaxen“ in dem sich die Kids austoben können, wenn sie mal austicken, einen Raum mit Sportausrüstung, ein Arztzimmer, ein Büro und Toiletten. In der zweiten Etage haben die Kids ihre Zimmer. Vier bis sechs Jungs teilen sich einen Schlafraum die jeweils mit Stockbetten ausgestattet sind. Jeder hat einen kleinen Spind für seine wenigen privaten Dinge, wie Anziehsachen und Fotos. Nachts sind zwei Betreuer im Haus, die ebenfalls in zwei der Zimmer übernachten. Zudem gibt es einen Therapieraum, das Computerzimmer, Bäder und ein weiteres Büro. Draußen befindet sich zudem ein kleiner Garten und ein Fußballplatz. Vermutlich der wichtigste Ort für die Jungs!

Meistens höre ich schon draußen vor meiner Ankunft wie die Kids voller Enthusiasmus auf dem Platz bolzen und rumgrölen. Ein Betreuer meinte letztens zu mir: Wenn du Spaß an Fußball hast und mitspielst, hast du schon halb ihren Respekt gewonnen. Fußball bedeutet viel für die Jungs. Morgens gehört es zur gemeinsamen Routine, auf dem Platz zu stehen. Durchschnittlich bin ich ca. 2 Stunden täglich mit ihnen draußen am Kicken. Natürlich birgt das Bolzen auch genügend Potenzial um auszuticken. Ein Junge schießt aufs Tor und aus Versehen ins Gesicht eines anderen. Alle lachen. Der getroffene Junge muss sich natürlich revanchieren und nimmt den Ball und versucht den „Täter“ abzuschießen. Das Ganze endet nicht zu selten in einer Schlägerei oder mindestens damit, dass auf einmal jeder der Jungs meint, er müsste ohne Rücksicht auf Verluste voller Kraft den Ball irgendwie über den Platz jagen. Bricht man dann die Einheit ab, darf man dann darauf hoffen und warten, dass alle einsehen, dass wir lieber reingehen um uns etwas Fahrt raus zu nehmen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Vorkommnisse auf dem Platz den ganzen Tag prägen. Bleibt es morgens ruhig bzw. waren die Kids nicht schon vor dem Spielen angespannt, begegne ich einem etwas entspannteren Arbeitstag, mit weniger Explosionspotenzial.

Nach dem Kicken geht’s in unseren kleinen Klassenraum. Dort werden die Kids entweder zu verschiedenen Themen unterrichtet, erledigen Einzelaufgaben oder werden bei ihren Hausaufgaben unterstützt. Das Ganze gleicht aber natürlich nicht einem normalen Schulunterricht. Die Jungs lenken sich ständig gegenseitig ab, klauen sich irgendwelche Gegenstände, treten oder hauen sich mehr oder weniger offensichtlich oder verweigern den Unterricht komplett. Ein Beispiel: Gestern habe ich erst einmal 5-10 Minuten gebraucht, um den Jüngsten davon zu überzeugen, sich auf einen Stuhl an den Tisch zu setzen. Da er seine Augen nicht offen halten konnte, bin ich mit ihm zum Waschbecken. Hier hat es weitere 5 Minuten gedauert, bis er sich nicht mehr geweigert hat, sich ein bisschen Wasser ins Gesicht zu spritzen, damit er nicht mehr so müde ist. Der Junge hat mir dann gesagt, dass er seine Eltern vermisst. Kein Wunder: der Zwerg ist 8 Jahre alt und erst seit 4-5 Wochen im Haus. Der Junge ist mit Narben übersäht, die größte den gesamten Hals entlang. Als er ins Haus kam, hatte er eine Stelle am Kopf kahlrasiert, weil er dort eine größere Wunde hatte. Ich kenne die Umstände nicht und der Junge ist eigentlich ziemlich albern und fröhlich. Aber natürlich sind das Haus und die älteren Jungs auch nicht leicht für ihn, da er immer was auf den Deckel bekommt. 

Als wir zurück im Klassenraum waren, haben sich dann zwei andere Jungs so lange provoziert, bis der eine freiwillig in den Raum zum Relaxen gegangen ist. Eigentlich ist der Raum für ein Kind gedacht, dass dieses sich dort austoben kann. Zu dem Zeitpunkt war der Raum aber schon von einem anderen Jungen belegt, der sich weigerte, am Unterricht teilzunehmen und sich dort schlafen gelegt hatte. Der zweite Beteiligte aus dem Streit war wohl auch noch nicht ganz kühl im Kopf, sodass er sich im Klassenraum zu einer Schlägerei mit einem anderen Jungen hinreißen ließ. Das Ganze endete in Tränen bei dem Jungen und damit, dass wir uns zum Entspannen nach draußen begeben haben: der Raum zum Relaxen war ja schon doppelt belegt. Draußen angekommen trafen wir einen anderen Unterrichtsverweigerer an, der meinte, er müsste auf das Dach des Hauses klettern und den Müll herunter werfen, den er dort gefunden hat. Schnell entwickelte sich das Ganze in ein freudiges Hin- und Herwerfen und der Stress aus dem Klassenraum war vergessen. Ich habe mir dann Hilfe von einer anderen Betreuerin geholt. Als diese ankam, war der Junge schon wieder vom Dach runter und der andere Junge wieder sauer, weil er zurecht gewiesen wurde. Als die Betreuerin wieder weg war, stand der erste Junge schon wieder auf dem Dach... Die kleinen Nervensägen 😃

Der Unterricht endet nach ca. einer Stunde. Viel gelernt wurde insgesamt leider eher nicht und die Konzentration wird mit der Zeit auch nicht unbedingt besser. Nach einem gemeinsamen Snack in der Küche ging es also wieder auf den Sportplatz. Zum Glück blieb es ruhig. Wenn es um Teambildung, die Einhaltung der Regeln auf dem Feld und Gerechtigkeit über Entscheidungen geht, nehmen die Jungs ihr Hobby sehr ernst. Wenn ich z.B. mal bei einem unabsichtlichen Handspiel aus Spaß auf Freistoß plädiere, sehe ich mich einem Sturm der Entrüstung und Unverständnis über meine Entscheidung gegenübergestellt. Alternativ zum Fußball haben die Jungs besonders großen Spaß am Schachspielen. Man kann nicht gerade sagen, dass sie sehr umsichtig mit ihrem riesigen Holzschachspiel umgehen. Einerseits lieben sie es innig, andererseits scheuen sie sich auch nicht, die Spielfiguren durch den Raum zu pfeffern oder mit ihrem Körpergewicht über das unstabile Brett zu latschen und nehmen es dabei  in Kauf, das Brett zu zerstören.

Mittags um 12:45 Uhr mache ich mich auf den Weg, einen der Jungs von der Schule zu holen. Ich darf zwar keine Lieblinge haben und ich versuche, das auch niemanden spüren zu lassen, aber er gehört schon dazu. 😉 Eigentlich habe ich immer Spaß mit ihm auf dem Heimweg und wenn ich ihn abhole, empfängt er mich mit einem fetten Grinsen. Oder er versucht mich zu veräppeln, dass er schlecht drauf wäre und lacht dann los, wenn ich einmal wirklich besorgt nachfrage, was falsch ist. Anfänglich hat er sich noch darüber lustig gemacht, wenn ich ein Wort auf Spanisch nicht kannte, war gleichzeitig aber auch nicht der Lage, es mir mit anderen Worten zu erklären. Mittlerweile versteht er ziemlich gut, wie er mit mir reden kann, was ich verstehe oder wie er mir erläutern kann, was er meint. Er bringt mir neue Worte bei oder wir versuchen Englischvokabeln auf dem Heimweg zu trainieren. Zeitgleich passt er darauf auf, dass ich im Straßenverkehr im richtigen Moment über die Straße laufe und nimmt mich an die Hand. Kurz nachdem ich mit ihm wieder zurück im Haus bin, bringe ich einen anderen Jungen zu Fuß zur Schule.

Der Kleine ist 11 Jahre alt und ziemlich clever. Er hat in kürzester Zeit „Ene mene miste, es rappelt in der Kiste“ und die folgenden Sätze gelernt und fragt mich immer interessiert nach neuen Sachen. Insbesondere wenn ich die Möglichkeit habe, etwas Zeit alleine mit einem Kind zu verbringen, lerne ich die Jungs wirklich kennen. Auf einmal sind die wildesten Störenfriede ruhig, hören mir konzentriert zu, wenn ich ihnen Geografie oder Mathe erkläre. Einmal habe ich einem Jungen beim Rechnen geholfen. Als der Klassenraum voll war, war es kaum möglich voran zu kommen. Als der Raum sich leerte, war er auf einmal Feuer und Flamme, hat sich jedes Mal tierisch darüber gefreut, wenn er wieder eine Aufgabe gelöst hat und sich am Ende für meine Hilfe bedankt. Zwei Tage später habe ich einem anderen Kind in Mathe geholfen. Er hat ziemlich gestreikt und meinte, das wäre alles viel zu schwer. Der andere Junge dem ich zuvor geholfen habe, hat das mitbekommen und den Verweigerer zurecht gewiesen:  „Jetzt stell dich nicht so an und hör Stefan zu, der kann das wirklich gut erklären“. Wow, der Kommentar hat mich extrem gefreut und mir gezeigt, wie die Jungs die Arbeit zu schätzen wissen, die man macht. Danach hat sich der Junge auf die Aufgaben konzentriert und sie gemeinsam mit mir gelöst. 😊 

Sowas ist aber auch leider schnell wieder vergessen. Nur ein paar Tage später musste der begeisterte Mathematiker von anderen Kindern davon abgehalten werden, bei einem Wutanfall auf mich loszugehen. In einer anderen Situation ist derselbe Junge völlig ausgetickt und ist tatsächlich gegenüber einem anderen Betreuer tätlich geworden. Obwohl der Betreuer selbst super stämmig ist, hatte er seine Mühe, den 15 Jährigen irgendwie in Schach zu halten. Nach zirka 30 Minuten wurde er von einem anderen Betreuer abgelöst und der Junge im Schwitzkasten in den Raum zum Relaxen gebracht. Das war bisher die extremste Situation, die ich hier erlebt habe und das erste Mal, dass ich von den Geschehnissen etwas mitgenommen war. 1-2 Stunden später war der Junge aber wieder gut drauf und man konnte normal mit ihm reden und gemeinsam am Mittagstisch sitzen.

Einer der Jungs kurz vor dem Ausbruch ;-) Leider darf ich keine Fotos der Kinder hochladen. Also nehmen wir einfach mal die atemberaubende Aussicht auf den Vulkan Popocatépetl von einem Hausdach nur eine Straße von meinem Haus entfernt.

Ich nehme den Kids hier nichts übel und habe von meinem deutschen Vorgänger bei JUCONI schon viel erfahren, welche Situationen auf mich zukommen können und wie schnell man vom Feind zum besten Freund und wieder zum Feind für die Kids wird. Wobei Feind vermutlich die absolut falsche Bezeichnung ist. Zum Feind wird man hier nie 😉 Vielleicht eher ein Spielverderber oder ein Betreuer, der die Kids zurechtweist. Ich versuche nach wie vor meine Rolle zu finden. Ich glaube ich bekleide eine Zwischenposition zwischen Betreuern und Kumpel. Ich lasse den Jungs mehr durchgehen als so manch anderer. Auch weil ich einfach viele Sachen noch nicht ganz verstehe. Insbesondere wenn es um Beleidigungen geht oder ob es sich um Spaß oder Ernst handelt, wenn ein Junge gemobbt wird. Manchmal ist es ein Drahtseilakt, ob man jetzt lieber cooler Kumpeltyp ist, der mitmacht und drüber lacht, wenn man z.B. heraushört, dass man als „der Blonde“ bezeichnet wird, oder ob man sie ermahnt und erzieherisch drauf hinweist, wie man andere Leute mit Respekt zu behandeln hat.

Gestern haben sich die Jungs um 15 Uhr im Fernsehraum versammelt, um gemeinsam einen Film zu schauen, den wir davor für 50 Cent auf dem Schwarzmarkt gekauft haben. Das findet so einmal die Woche statt und ist eigentlich die Zeit, in der die Kids am ruhigsten sind. Wen wundert es, so eine Glotze ist ja auch faszinierend. 😉 Das ganze war dann auch irgendwie etwas besonderer als sonst, da wir eine neue Sofagarnitur bekommen haben. Die alten Sitzmöbel hatten nach 8 Jahren ausgedient. Ich war etwas überrascht über das Alter, da so ein Sofa im Heim doch etwas mehr mitmacht als in einem regulären Haushalt. Für die kommende Woche habe ich mir frei genommen um mit meiner Masterarbeit etwas schneller voran zu kommen. Soviel Zeit bleibt leider nicht mehr bis zur Abgabe Anfang Dezember. Bislang musste ich leider einige Wochenenden oder die Stunden nach der Arbeit opfern. Netterweise darf ich donnerstags und freitags schon 2 Stunden früher nach Hause, damit ich etwas mehr schaffe. Jetzt ist aber der Zeitpunkt gekommen, an dem ich mich wirklich mal ein paar Tage nur auf den Abschluss meines Studiums konzentrieren will. Bevor der Film losging habe ich den Jungs erklärt, dass ich eine Woche nicht im Haus sein werde und warum. Als ich dann mehr aus Spaß als im Ernst gefragt habe ob sie sich freuen oder traurig sind, dass ich nicht da bin, wurde mir direkt von einem der Jungs entgegnet, dass sie natürlich traurig sind. Ich war etwas überrascht, weil genau der Junge meistens eher meine Anweisungen ignoriert und einen Hang dazu hat, einen eiskalt Abprallen zu lassen. Das hat mich dann wieder gefreut und ich freu mich jetzt schon wieder in gut einer Woche zurück zu meinen Jungs ins Casa JUCONI zurückzukehren. 😊

Schwere Erdbeben erschüttern das Land

Nach nicht einmal zwei Wochen in Mexiko hat mich ein anderes Thema im wahrsten Sinne des Wortes erschüttert. Schon in den Vorbereitungsseminaren wurden wir soweit wie möglich darauf „vorbereitet“, wie man sich im Fall eines Erdbebens verhalten muss. Das Land, das sich direkt an mehreren Kontinentalplatten befindet, wird immer wieder von leichten und mittleren Erdbeben heimgesucht. Kurz vor Mitternacht am 7. September war dann alles anders. Ich hatte mich schon schlafen gelegt und gefreut, dass ich mal zeitig ins Bett komme. Auf einmal wache ich auf und mein ganzes Zimmer bewegt sich. Im Halbschlaf realisiere ich relativ schnell, dass es sich um ein Erdbeben handelt. Meine Gasteltern stehen auch schon in der Tür: „Schnapp dir eine Hose und dann raus hier“. Ich renne die Treppen herunter und habe keine Ahnung wie mir geschieht. Ich erinnere mich daran, dass die Lampen an der Decke extrem hin und hergeschwungen sind. Draußen steht schon meine Gastfamilie und die ganze Nachbarschaft im Schlafanzug oder in Decken gehüllt. Ich habe das Gefühl, ich bin der letzte, der es raus geschafft hat. Man hört überall Alarm und Sirenen und Rogelio meint direkt, dass es viel stärker war als sonst. Er sollte Recht behalten.

Schnell wurde bestätigt, dass es sich um ein Beben der Stärke 8,1 an der Küste des mexikanischen Bundesstaates Chiapas gehandelt hat. Das stärkste Beben des Landes seit 1985. Trotz der knapp 1000 km Entfernung zum Epizentrum war die extreme Stärke in Puebla wahrnehmbar. Weltweit gibt es jährlich maximal ein Erdbeben mit solch einer Intensität. Ich konnte zunächst nicht wirklich was damit anfangen und zitterte mir ohne T-Shirt in der nächtlichen Kälte einen zurecht. Nach ein paar  Minuten sagte Rogelio, ich solle rein und mir was zum Anziehen holen, mich aber beeilen: „Es kann starke Nachbeben geben. Wir müssen erst einmal draußen warten!“. Ich folgte den Anweisungen und schnappte mir noch mein Handy, um zu Hause in Deutschland Bescheid zu geben, dass ich in Ordnung bin. Nach gut 30 Minuten gingen wir wieder ins Haus und setzten uns ins Wohnzimmer, um Nachrichten zu schauen. Schnell war die Sprache von 100 Toten in den direkt angrenzenden Bundesstaaten Chiapas und Oaxaca. Alles war ein bisschen unwirklich und weit entfernt für mich, obwohl ich es selbst mitbekommen hatte. Ich konnte aber weder wirklich etwas mit der Situation anfangen, noch habe ich meine Familie oder mein gesamtes Hab und Gut hier.

Schlimmer wurde alles dann leider am 19. September. An jenem Tag wurden vor 32 Jahren bis zu 30.000 Menschen Opfer des tragischsten Erdbebens der neueren mexikanischen Geschichte. Am selben Tag wurden morgens um 11 Uhr zum Jahrestag der großen Katastrophe noch landesweit Erdbebenübungen durchgeführt. Um 13:15 Uhr Ortszeit bebte die Erde dann tatsächlich wieder. Ich saß gerade am Küchentisch im Heim und war dabei, schnell etwas zu essen, bevor ich einen der Jungs zur Schule bringe. Es dauerte ungefähr 2 Sekunden, um zu realisieren, dass es sich erneut um ein sehr starkes Erdbeben handelt. Wir rannten alle so schnell es ging raus. Ich wusste nicht genau, ob ich mich lieber selbst in Sicherheit bringen sollte oder nochmal nachschaue, ob nicht irgendein Kind fehlt. Da sich eine riesige Menge Kinder schon auf den Weg nach draußen befand, wählte ich auch den Weg die 5 Treppenstufen vor der Eingangstür herunter. Ich musste mich festhalten um nicht hinzufallen. Ein Auto, das vor dem Haus geparkt hatte, bewegte sich ohne Insassen langsam weg. Die Strommasten schwankten wie Gummi hin und her. Alles war irgendwie unwirklich. Als wenn ich wieder im Halbschlaf wäre oder betrunken alles nur vage wahrnehmen kann.

Nach knapp 40 Sekunden hörte es auf zu beben. Wir bildeten einen Kreis und nahmen andere Leute, die auf die Straße geflüchtet waren, mit zu uns auf und versuchten diese zu beruhigen. Im ersten Moment war alles nicht so schlimm für mich. Ich habe mir keine Sorgen gemacht, weil ich keine direkten Schäden gesehen habe. Vor meinen Augen ist zum Glück nichts eingestürzt oder heruntergekommen. Die meisten Telefonanbieter waren zunächst einige Zeit ausgefallen. Mein Internet funktionierte aber noch. Ich fand schnell heraus, dass sich das Epizentrum diesmal nur 50 km von uns entfernt befunden hat und es sich um ein Erdbeben der Stärke 7,1 handelte. Als die Telefonnetze sich stabilisierten, hatte ich gleich mehrere Nachfragen auf dem Handy, ob ich in Ordnung sei. Meine Gastfamilie bat mich, nach ihren Eltern und unserem Haus zu schauen. Auf dem Weg dorthin stellte ich fest, dass es keinen Strom gab. Die Ampel auf der großen Kreuzung war ausgefallen, alle Autos bahnten sich irgendwie kreuz und quer ihren Weg über die Straße. Die Eltern von Rogelio waren durch den Stromausfall nicht über das Festnetz erreichbar und ziemlich froh, mich zu sehen. Mit meinem funktionierenden Handy konnten wir schnell den Kontakt zu verschiedenen Familienmitgliedern herstellen. Alle waren zum Glück in Sicherheit und wohlauf. Schnell merkte ich, wie nah die Situationen allen Beteiligten ging. Ich habe fremde Menschen umarmt und beruhigt. Die Hunde waren außer sich, als ich nach Hause kam und haben mich so sehr abgeschleckt wie noch nie. Bis auf Bücher, die aus Regalen gefallen und dem ein oder anderen Gegenstand, der umgekippt war, blieb unser Haus weitestgehend unversehrt. Zu dem Zeitpunkt waren mir das Ausmaß und die Folgen des Bebens im Land noch nicht bekannt. In Puebla, aber vor allem in kleineren Dörfern und in Mexiko-Stadt sind zahlreiche Häuser, Kirchen und auch Schulen eingestürzt oder so sehr beschädigt, dass sie nicht mehr benutzt werden können. 

einsturzgefährdetes Haus
In den Tagen nach den Beben nahm man langsam aber sicher wahr, in welcher Situation man sich hier eigentlich befindet. Nach und nach stieg die Zahl der Toten, die über die Medien vermittelt wurde. Am Ende sollte sie bei über 300 Menschen liegen. Wenn man durch die Stadt fährt, sieht man zahlreiche Absperrungen an Gebäuden, die Schaden genommen haben. Häuser müssen durch riesige Pfeiler abgestützt werden. Hochhäuser sind augenscheinlich geräumt, da sie mit Rissen übersäht und nicht mehr sicher sind. Eine andere deutsche Freiwillige muss mit ihrer Familie umziehen, da das Haus einsturzgefährdet ist. Ich erfahre, dass Freunde von meinen mexikanischen Bekannten, die ich in Südkorea kennen gelernt habe, bei dem Erdbeben ums Leben gekommen sind. Die Mutter meines Gastvaters bricht in Tränen aus, als ich sie Tage nach dem Beben auf die Geschehnisse anspreche. Mit bebender Stimme sagt sie: „¡Tengo miedo!“ - Ich habe Angst. Immer mehr fange ich an zu begreifen, was hier abgeht und ich bekomme jedes Mal Gänsehaut, wenn ich die Nachrichten lese oder Videos der Katastrophe sehe und bin den Tränen nahe. Der Alltag ist gestört, jeder redet vom Beben, Tage lang und es macht die Sache nicht einfacher. 

zerstörte Mauer des Hauses
Die Leute fangen aber auch an sich in einem enormen Ausmaß zu solidarisieren. Es wird Wasser, Kleidung, Hygieneartikel und Nahrung in den betroffenen Gebieten benötigt. Am Tag nach dem Erdbeben setze ich mich mit Rogelio ins Auto und wir fahren nach Atlixco, ca. 45 Minuten von Puebla entfernt. Hier soll am meisten Hilfe benötigt werden. Dort angekommen, erfahren wir, dass bereits unzählige Helfer vor Ort sind und wir lieber im noch kleineren Metepec helfen sollen. Also fahren wir dort hin. Helfer vor Ort nehmen unsere gekauften Hilfsgüter in Empfang und verteilen Sie an die Bewohner des Dorfes. Andere Einheiten koordinieren die Helfer, teilen sie in Gruppen, die von einer Person angeführt werden. Unser 10-köpfiges Team macht sich auf, um das eingestürzte Dach eines Hauses abzutragen und dem Bewohner soweit zu helfen, dass er die kommenden Tage alleine weiter die Schäden beseitigen kann. In der Folge schlafe ich nicht gut. Noch immer halte ich kurz die Luft an, wenn ich nur kleinere Vibrationen in Gebäuden oder draußen wahrnehme. Häufiger wache ich auf und denke, es ereignet sich grade wieder ein Erdbeben, weil durch meine Bewegungen und meinen Herzschlag das Bett leicht vibriert. Ich nehme mein Handy und schaue, ob ich mich täusche oder ob es sich um ein leichteres Erdbeben handelt.

Wir tragen das eingestürzte Dach Stück für Stück ab.
Am 23. September habe ich wieder das Gefühl, das die Erde bebt. Ich halte es aber für mein „Trauma“, bis ich von meinen Gasteltern höre, dass es wieder ein Beben war. Die Stärke von 6,1 nimmt man auf einmal in solchen Tagen etwas gelassener hin. Mittlerweile ist es ruhiger geworden. Die Schäden und ein ungutes Gefühl bleiben aber. Eine Auszeit oder Saison für Erdbeben gibt es leider nicht. Meine Erdbeben-App auf dem Handy meldet mir fast täglich leichte und mittlere Erdbeben in den Küstenregionen Mexikos. Die nimmt man hier zum Glück aber eher nicht wahr. Meine Gastfamilie trifft sich regelmäßig mit Freunden, um Hilfe für die Opfer zu organisieren. Besonders in den Dörfern sind die Menschen nachhaltig betroffen. Sie haben kein Geld und kein Wissen, um sich neue, erdbebensichere Häuser zu bauen. Auch in Mexiko-Stadt sind ganze Gebiete eingestürzt und die Leute sitzen mehr oder weniger auf der Straße. Die Schulen und Universitäten blieben nach den Erdbeben in den betroffenen Gebieten über eine Woche geschlossen. Einsatzkräfte und Statiker untersuchten Gebäude auf Risse und Schäden. Unser Kinderheim hat auch Risse davongetragen. Laut Gutachter sind diese aber nicht weiter gefährlich. Hoffen wir es. 

Alles in allem sind es etwas extreme Erfahrungen, die ich hier gleich zu Beginn in Mexiko mache. Das makabere an der ganzen Situation ist aber auch, dass man durch die Vorkommnisse extrem viel lernt und mitnimmt. Aus anfänglicher Unwissenheit und meinen ersten Erdbeben, dass ich im Leben gespürt habe, wurde schnell Anteilnahme. Ich habe Wissen und Erfahrungen über Erdbeben und ihre möglichen Folgen gesammelt und über politische Unzulänglichkeiten, aber auch teilweise funktionierende Notfallpläne erfahren. Insgesamt müsst ihr euch aber um mich nicht sorgen. Mir geht es gut und ich genieße meine Zeit hier total. 😊
Vielen Dank fürs Lesen und sorry, dass es etwas lang geworden ist 😃 Dafür habe ich die ersten Wochen ja auch noch nichts von mir hören lassen und wollte euch daher mal zu Beginn einen etwas umfassenderen Eindruck übermitteln. Ich könnte, glaube ich, noch vieles weiteres schreiben, über Ausflüge oder Geschichten aus dem Kinderheim. Aber ich bin ja auch noch ein paar Tage hier, vielleicht picke ich dann mal die Highlights zu einem späteren Zeitpunkt heraus. 😉 Und wie gesagt. Ich bin weiterhin auf Spenden angewiesen und freue mich irrsinnig über jede weitere Unterstützung für meine Arbeit bei JUCONI und meine Erfahrungen in Mexiko 😊

Viele Grüße aus dem fernen Puebla!
Euer Stefan